Gefäßeingriffe

 

Arterienverkalkung (wiss. Atherosklerose) ist ein Risiko für den ganzen Körper

 

Mit zunehmendem Lebensalter, eventueller Vorbelastung und ungesunder Lebensführung verlieren die Gefäße ihre Elastizität. Zusätzlich verengen sich die Arterien durch Ablagerungen. Bei dieser allmählichen „Verkalkung" lagern sich Fett-, Kalk- und Eiweißbestandteile in der Gefäßwand ab. Diese sogenannten Plaques verengen das Gefäßrohr und schränken den Blutfluss ein.

 

Diese Plaques können leicht aufbrechen. Wenn das passiert, lagern sich Blutplättchen an der brüchigen Stelle an und ein Gerinnsel (Thrombus) entsteht. Wenn das Gerinnsel die Arterie verstopft oder mit dem Blutstrom fortgerissen wird und dann ein Gefäß an einer anderen Stelle blockiert, kommt es zu einer bedrohlichen Situation: Es kann zum gefürchteten Herzinfarkt, Schlaganfall oder einem hochakuten Gefäßverschluss im Bein führen.

 

Atherosklerose ist deshalb eine gefährliche Grunderkrankung, die viele Folgeerkrankungen verursacht.

 

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit befällt überwiegend die Arterien der unteren Extremität. Die Beschwerden der Betroffenen sind vom Stadium der Krankheit abhängig, und reichen von subjektiver Beschwerdelosigkeit (asymptomatisches Stadium) über belastungsabhängige Schmerzen mit Einschränkung der Gehstrecke (Claudicatio intermittens) bis hin zur amputationspflichtigen Gangrän. Rund 4,5 Millionen Menschen deutschlandweit leiden nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Angiologie derzeit an einer PAVK. Die Gesamtprävalenz der PAVK liegt bei 3 - 10%  und steigt ab einem Alter von 70 Jahren auf 15 - 20 % an.

 

Hauptrisikofaktoren für die Entstehung der Arteriosklerose in den Beinen sind Nikotinkonsum, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), hoher Blutdruck (arterielle Hypertonie), Fettstoffwechselstörungen und Vererbung.

Nach dem Schweregrad der Symptome wird die pAVK in verschiedene Stadien eingeteilt. Verbreitet sind die Klassifikation nach Fontaine und die Klassifikation nach Rutherford.

 

Fontaine  Rutherford
Stadium Klinisches Bild Grad Kategorie Klinisches Bild
I asymptomatisch 0 0 asymptomatisch
II a Gehstrecke > 200m I 1 leichte Claudicatio intermittens
II b Gehstrecke < 200m I 2 mäßige Claudicatio intermittens
I 3 schwere Claudicatio intermittens
III ischämischer Ruheschmerz II 4 ischämischer Ruheschmerz
IV Ulkus, Gangrän III 5 kleinflächige Nekrose
III 6 großflächige Nekrose

 

Diagnose der PAVK:

  

Die Diagnose sowie die Bestimmung des Schweregrades einer chronischen arteriellen Verschlusskrankheit stellt in der Regel keine Schwierigkeiten dar und kann in der Regel allein durch eine Befragung des Patienten im Rahmen einer Anamnese sowie durch eine körperliche Untersuchung gestellt werden. Ergänzende, insbesondere apparative Untersuchungsmethoden, spielen vor allem eine Rolle für die Therapieplanung bei einer höhergradigen arteriellen Verschlusskrankheit.

 

Folgende Untersuchungsmethoden kommen zum Einsatz:

  • Anamnese und Klinik
  • Knöchel-Arm-Index
  • Dopplerfrequenzspektrum
  • Laufbandergometrie
  • farbkodierte Duplexsonographie (FKDS)
  • Intraarterielle Angiographie (DSA)
  • Computertomographische Angiographie (CTA)
  • kontrastangehobene MR-Angiographie (ceMRA)

 

Beispiel Knöchel-Arm-Index:

Messung am Oberarm 120 mmHg, Messung am Unterschenkel 50 bzw. 60 mmHg. Der Knöchel-Arm-Index beträgt dann 0,5, was einer pAVK (peripheren arteriellen Verschlusskrankheit) im Stadium III-IV entspräche.

 

Konservative Therapie der pAVK:

 

Ziel der Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) ist es, das Fortschreiten der Gefäßverengung durch die Arteriosklerose zu stoppen und damit eine Verschlimmerung des Krankheitsbildes zu verhindern. Wichtig ist hierbei insbesondere eine Änderung der Lebensgewohnheiten: Risikofaktoren wie Rauchen,  Übergewicht oder Bewegungsmangel sollten nach Möglichkeit eliminiert, besser eingestellt werden.

Um Risikofaktoren zu minimieren, empfehlen Experten neben dem sofortigen Rauchstopp eine vollwertige, ballaststoffreiche und fettarme Ernährung sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (ca. 2 l täglich). Diabetiker oder Hypertoniker sollten auf eine gute Einstellung von Blutzucker bzw. Blutdruck achten.

Die Therapie der pAVK wird darüber hinaus meist mit medikamentösen Mitteln unterstützt. Zum Einsatz kommen u. a. sog. Blutgerinnungshemmer (Thrombozytenaggregationshemmer), die das Aneinanderlagern (Aggregation) von Blutplättchen (Thrombozyten) verhindern und so Blutgerinnseln vorbeugen, die die Bein- bzw. Beckenarterien verstopfen könnten. Häufig wird dazu Acetylsalicylsäure (ASS) verwendet. Auch die Fließeigenschaften des Blutes können bei Bedarf durch Medikamente z. B. mit dem Wirkstoff Prostaglandin – einem Gewebshormon – verbessert werden. Sie erweitern außerdem die Arterien, beugen Blutgerinnseln vor und schützen die Gefäßinnenhaut.

Um die Durchblutung aktiv zu fördern, wird ab Stadium 2a (Schmerzen bei einer Gehstrecke über 200 m) ein Gehtraining empfohlen. Dadurch wird die Durchblutung gefördert und die schmerzfreie Gehstrecke kann verlängert werden. Das Training sollte natürlich an die Möglichkeiten des Patienten angepasst sein und keinesfalls zu starken Schmerzen führen.

 

Viele Betroffene profitieren von der Teilnahme an einer sog. Gefäßsportgruppe. Hier erlernen Patienten mit Gefäßkrankheiten gemeinsam unter fachlicher Anleitung Übungen und Bewegungsabläufe, die die Behandlung effektiv unterstützen.

 

Operative, interventionelle Behandlung der pAVK:

 

Interventionelle Behandlung:

  

Ein Katheter ist ein langer Schlauch, der in das Gefäß eingeführt wird. Bei Verengungen und Verschlüssen des Gefäßes hat die Kathetertherapie (PTA = perkutane transluminale Angioplastie) als alleinige Maßnahme große Erfolge: Hier wird unter örtlicher Betäubung in der Leiste die Beinschlagader punktiert und ein Ballonkatheter im Gefäß durch die Verengung geschoben. Dort wird der Ballon mit einem Druck bis zu 12 ATÜ aufgeblasen, um die Kalkablagerung an die Gefäßwand zu pressen. Dadurch wird die Verengung beseitigt und das Blut kann wieder ungehindert fließen. Bei größeren Verschlüssen wird dabei gleichzeitig ein flexibles Drahtnetz (Stent) platziert, damit der Kalk nicht mehr ins Gefäßinnere hineinwachsen kann. So bleibt das Gefäß dauerhaft offen. Die PTA ist eine Behandlungsmethode, die so risikoarm und verträglich ist, dass sich immer mehr Patienten dafür entscheiden.

 

Kathetertherapie:

  • risikoärmer als Operation
  • ohne Narkose
  • kurzer Krankenhausaufenthalt
  • kann mehrfach wiederholt werden

Operation:

  

Eine Gefäßoperation wird erforderlich, wenn die schmerzfreie Gehstrecke nur noch kurz ist, Fuß oder Bein bei Ruhe schmerzen, kleine Wunden an der schlecht durchbluteten Stelle nicht mehr heilen und eine Kathetertherapie nicht möglich ist. Die verengte oder verschlossene Arterie kann dann durch eine Operation eröffnet werden oder es wird eine „Umleitung" um die Engstelle gelegt (Bypass). Als Bypassmaterial wird eine körpereigene Vene oder ein Kunststoffschlauch verwendet. In Stadium II besteht keine akute Amputationsgefahr für das Bein. Auch nach einer erfolgreich durchgeführten Operation können sich Beingefäß oder Bypass wieder verschließen.
Deshalb entscheidet man sich in diesem Stadium nicht so leicht für eine Operation.


Bagatellverletzungen der Füße und Diabetes:

Selbst kleine Verletzungen, besonders an den Füßen, sind für einen PAVK-Patienten eine große Gefahr. Diabetiker sind noch mehr gefährdet.

 

Durch die schlechte Durchblutung heilen die verletzten Stellen so schlecht, dass nicht selten das umliegende Gewebe abstirbt.
Achten Sie peinlich genau auf Ihre Füße und schneiden Sie mit Vorsicht Ihre Zehennägel. Problemzonen sind zwischen den Zehen, an den Fußnägeln und an der Ferse. Der PAVK-Patient sollte den geschulten Fußpfleger aufsuchen.

Bei Verletzungen oder Verschlimmerung der Beschwerden sofort den Arzt aufsuchen.

 

Das individuelle Risiko für eine periphere Durchblutungsstörung der Beine kann ab sofort im Kreiskrankenhaus Schrobenhausen getestet werden. Die Untersuchung wird für 10 € angeboten. Es werden verschiedene Blutdruckmessungen durchgeführt und die individuelle Gehstrecke gemessen. Anhand der gemessenen Werte kann eine Einteilung der Beschwerden erfolgen und eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen werden.

 

Wir beraten Sie gerne. Die Termine für die Untersuchungen werden durch das chirurgische Sekretariat unter +49 (0) 8252-94 220 vergeben. 


Patienten der Allgemein- und  Viszeralchirurgie können in der Ambulanz über das Sekretariat (Tel: +49 (0) 8252-94 220) jederzeit auf Zuweisung aller niedergelassenen Kollegen vorgestellt werden.


Ihr Ansprechpartner

Dr. med. Andreas Limberger


Dr. med. Andreas Limberger
 Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Notfallmedizin, Medizinische Informatik,
Ernährungsmediziner DAEM/DGEM

Tel.: + 49 (0) 8252 - 94 220
Fax: +49 (0) 8252 - 94 380
Mobil: + 49 (0) 151 52656939
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